Don't panic. Der Blick über den Standardlehrplan hinaus lohnt sich.
Dr. Alf Köhn-Seemann 2024
Was haben Sie studiert und in welchem Jahr haben Sie Ihren Abschluss gemacht?
Physik 2010
Welche Position haben Sie heute inne und welchen Jobtitel tragen Sie dabei?
Principal Investigator, Uni Stuttgart
Können Sie bitte einen kleinen Einblick in Ihren Berufsalltag geben?
Ich arbeite an der Uni Stuttgart in der Forschung. Im Arbeitsalltag betreue ich Studierende bei ihren Abschlussarbeiten (Bachelor, Master, PhD), verfolge meine eigene Forschung in einem internationalen Umfeld und bin in der Lehre tätig (Vorlesungen & Praktika).
Welche Stationen oder Berufserfahrungen waren besonders prägend oder wegweisend?
Die Verteidigung der Doktorarbeit sowie der erste, direkt anschließende Forschungsaufenthalt in USA markierten einen Wendepunkt, da man von da an deutlich selbst-verantwortlicher forschen & arbeiten konnte (worauf ich während der Promotion gut vorbereitet wurde). Eine weitere, mehrjährige PostDoc-Phase an einem Max-Planck-Institut erlaubte mir einen starken Ausbau meines Netzwerkes, von dem ich noch heute, einige Jahre später, profitiere.
In welchen Bereichen hat Sie das Studium gut auf den Beruf vorbereitet und wo mussten Sie sich später neue Kenntnisse oder Fähigkeiten aneignen?
Das Physik-Studium hat mich vor allem eines gelehrt: don't panic. Komplexe Probleme auf einzelne, kleine Teilprobleme runterbrechen, die dann plötzlich gar nicht mehr so groß erscheinen, die oft genannte hohe Frustrationsschwelle, alles Fähigkeiten die ich in meinem Physik-Studium gelernt hatte. Das Programmieren musste ich mir während der Promotion selber beibringen, gleiches gilt für das Schreiben von Veröffentlichungen und wie man gute Vorträge hält. Aber dies sind alles Dinge, die man einfach im Laufe der Promotion lernen sollte, daher nichts ungewöhnliches. Neu kam nach der Promotion die Akquise von Forschungsgelder hinzu, auf die man nicht wirklich vorbereitet wurde, aber diverse hilfreiche Kolleg:innen machten auch dieses gut möglich.
Was würden Sie Studierenden mitgeben, die sich noch orientieren oder unsicher sind, wohin es beruflich gehen soll?
Ruhig einfach mal abseits der großen Lehrveranstaltungen gucken, was es eigentlich noch so alles an der heimischen Uni gibt, manchmal befindet sich die eine oder andere Perle dort. Dabei merkt man dann vielleicht, was einen ganz besonders interessiert und Spaß macht. Keine Angst vor kompliziert klingenenden Stellenausschreibungen haben, alle kochen nur mit Wasser.
Drei Schlüsselkompetenzen für Ihren Beruf: Welche Fähigkeiten oder persönlichen Eigenschaften sind aus Ihrer Sicht besonders wichtig?
- Fachwissen
- Problemlösen
- Organisationstalent
Was macht Ihre Arbeit für Sie persönlich erfüllend oder besonders spannend?
Es gibt ständig neue spannende Herausforderungen, die Arbeit mit Studierenden kann sehr inspirierend sein, gleiches gilt für gemeinsame Forschungsprojekte in internationalen Teams, das Gefühl an etwas "großem" zu arbeiten, die Freiheit mir meine eigene Forschung zu definieren und damit zu bestimmen, womit ich mich täglich beschäftige.